Homöopathie
Nachdem jetzt sogar schon das "heute-journal" die mehr als umstrittene Meta-Studie zur angeblichen Unwirksamkeit der Homöopathie als Wahrheit verkauft (und damit das unterstützt, was wohl den Kern der ganzen Sache bildet: die Streichung sämtlicher homöopathisch fundierten Maßnahmen als Kassenleistung), möchte ich gerne die andere Seite zu Wort kommen lassen.
Karan - 9. September, 10:41
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Stadl42 - 9. September, 22:32
Allzu offensichtlich...
...ist zur Zeit wohl gar nichts, die Dreistigkeit der Geldgierigen scheint die Interesselosigkeit der Bevölkerung sogar noch zu übersteigen: hier sieht man ein schönes Beispiel dafür. Was macht man da, außer sich antizyklisch zu verhalten? Vielleicht aufklären, erklären, aber nicht verklären. Danke, Karan...
MMarheinecke - 12. September, 22:14
Es hilft - aber anders
Hallo Karan,
ich habe zur Homöopathie eine ziemlich klare Meinung. Kurz gefasst: Homöopathische Therapien sind oft hilfreich, vielleicht sogar über einen reinen Placeboeffekt hinnaus. Die Theorie, die der Homöophathie zugrunde liegt, kann dagegen als wissenschaftlich wiederlegt betrachtet werden.
Ausführlicher vertrete ich sie hier: http://www.nornirsaett.de/forum/showtopic.php?threadid=1076&time=1126553126
Ich kann es den Krankenkassen nicht verübeln, dass sie eine Therapie, die auf offensichtlicht längst falsifizierten Annahmen beruht, nicht finanzieren will. Die Theorien Hahnemanns sind m. E. so überholt wie Hippokrates Säftelehre, das Phlogiston oder der Lichtäther. Es haben Ärtze jahrtausendelang nach Hippokrates helfen können - und viele seiner Ratschläge sind nach wie vor fester Bestandteil der Medizin. Das macht die Säftelehre aber nicht zu einem akzeptablen medizinischen Verfahren.
Wäre der Ansatz der Homöopathen ein anderer, z. B. analog dem der Akupukteure, die die Philosophie der tradionellen chinesischen Medizin als metaphysisch bezeichnen und ansonsten eher den standpunkt vertreten: "wir wissen, dass es hilft, aber nicht wie", wären ihre Chancen auf Anerkennung eindeutig besser.
Mal ein Beispiel aus der Psychotherapie: die (durchaus von der Kassen anerkannte) Psychoanalyse ist in vielen Fällen hilfreich. Würden sich die Analytiker aber auf Freuds Lehre versteifen, bzw. sie für eine erwiesene Tatsache halten, müßten sie wahrscheinlich um ihre Kassenzulassung bangen. Die Analyse nach Freud ist nämlich strenggenommen eine Pseudowissenschaft, bzw. weniger hart formuliert, ein metaphysisches Deutungssystem der menschlichen Psyche - das sich teils in der Praxis bewährt hat, teils - z. B. bei Psychosen - kläglich versagt.
Ich bin mir sicher, dass das Besprechen von Warzen hilft - weil ich es mit Erfolg ausprobiert habe. Ich bin mir ebenso sicher, dass das Besprechen von Gürtelrose hilft. Aber das sind subjektive Einschätzungen, ich wüßte nicht, wie ich so etwas im kontrollierten Laborversuch oder in einer fachlich seriösen Feldstudie "hart kriegen" könnte.
Es erschiene mir absurd, zu fordern, dass das Verfahren des Besprechens, wegen seine Erfolge, künftig in den Katalog der Kassenleistungen aufgenommen werden solle.
Liebe Grüße,
Martin
ich habe zur Homöopathie eine ziemlich klare Meinung. Kurz gefasst: Homöopathische Therapien sind oft hilfreich, vielleicht sogar über einen reinen Placeboeffekt hinnaus. Die Theorie, die der Homöophathie zugrunde liegt, kann dagegen als wissenschaftlich wiederlegt betrachtet werden.
Ausführlicher vertrete ich sie hier: http://www.nornirsaett.de/forum/showtopic.php?threadid=1076&time=1126553126
Ich kann es den Krankenkassen nicht verübeln, dass sie eine Therapie, die auf offensichtlicht längst falsifizierten Annahmen beruht, nicht finanzieren will. Die Theorien Hahnemanns sind m. E. so überholt wie Hippokrates Säftelehre, das Phlogiston oder der Lichtäther. Es haben Ärtze jahrtausendelang nach Hippokrates helfen können - und viele seiner Ratschläge sind nach wie vor fester Bestandteil der Medizin. Das macht die Säftelehre aber nicht zu einem akzeptablen medizinischen Verfahren.
Wäre der Ansatz der Homöopathen ein anderer, z. B. analog dem der Akupukteure, die die Philosophie der tradionellen chinesischen Medizin als metaphysisch bezeichnen und ansonsten eher den standpunkt vertreten: "wir wissen, dass es hilft, aber nicht wie", wären ihre Chancen auf Anerkennung eindeutig besser.
Mal ein Beispiel aus der Psychotherapie: die (durchaus von der Kassen anerkannte) Psychoanalyse ist in vielen Fällen hilfreich. Würden sich die Analytiker aber auf Freuds Lehre versteifen, bzw. sie für eine erwiesene Tatsache halten, müßten sie wahrscheinlich um ihre Kassenzulassung bangen. Die Analyse nach Freud ist nämlich strenggenommen eine Pseudowissenschaft, bzw. weniger hart formuliert, ein metaphysisches Deutungssystem der menschlichen Psyche - das sich teils in der Praxis bewährt hat, teils - z. B. bei Psychosen - kläglich versagt.
Ich bin mir sicher, dass das Besprechen von Warzen hilft - weil ich es mit Erfolg ausprobiert habe. Ich bin mir ebenso sicher, dass das Besprechen von Gürtelrose hilft. Aber das sind subjektive Einschätzungen, ich wüßte nicht, wie ich so etwas im kontrollierten Laborversuch oder in einer fachlich seriösen Feldstudie "hart kriegen" könnte.
Es erschiene mir absurd, zu fordern, dass das Verfahren des Besprechens, wegen seine Erfolge, künftig in den Katalog der Kassenleistungen aufgenommen werden solle.
Liebe Grüße,
Martin
Karan - 12. September, 23:28
Ganz so einfach ist es m. E. nicht. Die Homöopathie-Theorie ist nicht bei Hahnemann stehen geblieben. Es gibt außerdem ernstzunehmende Untersuchungen, die die Wirksamkeit belegen – übrigens auch auf dem Gebiet der Veterinärmedizin.
Die klassischen Homöopathen, die ich kenne, sind alle ausgebildete (Schul-)Mediziner. Keiner von denen, die ich befragte, sieht einen unüberwindbaren Konflikt der Kriterien, sofern ein Vergleich seriös gezogen wird.
(Hier hinkt auch Dein Vergleich mit dem „Besprechen“, das zwar wirkt, jedoch in einem rein subjektiven Bezugssystem abläuft – und sich daher tatsächlich jeglicher komparativer Untersuchung entzieht.)
Das aktuelle Problem mit der Homöopathie liegt wohl woanders; ich vermute wirklich, daß da in erster Line finanzielle Interessen (der Kassen) dahinterstehen.
Was mich vor allem an der ganzen Sache ärgert: wie Halbwissen in den Medien als knallhartes Faktum kolportiert wird. Aber das ist ja nix Neues, leider...
Die klassischen Homöopathen, die ich kenne, sind alle ausgebildete (Schul-)Mediziner. Keiner von denen, die ich befragte, sieht einen unüberwindbaren Konflikt der Kriterien, sofern ein Vergleich seriös gezogen wird.
(Hier hinkt auch Dein Vergleich mit dem „Besprechen“, das zwar wirkt, jedoch in einem rein subjektiven Bezugssystem abläuft – und sich daher tatsächlich jeglicher komparativer Untersuchung entzieht.)
Das aktuelle Problem mit der Homöopathie liegt wohl woanders; ich vermute wirklich, daß da in erster Line finanzielle Interessen (der Kassen) dahinterstehen.
Was mich vor allem an der ganzen Sache ärgert: wie Halbwissen in den Medien als knallhartes Faktum kolportiert wird. Aber das ist ja nix Neues, leider...
majoky - 13. September, 11:49
Es gibt
zur Homöopathie viele verschiedene Forschungen und Forschungsansätze.
Ich setze sie bei mir selbst, bei Freunden, die mich um Rat fragen und vor allem bei meinen Viechern ein. Wenn ich bei mir selber noch davon ausgehen kann, dass die Homöopathie eine Art Placebo-Effekt (ich würde es lieber "aktivierte Selbstheilungskräfte" nennen) freisetzt, dann konnte mir bisher noch kein Wissenschaftler erklären, wie ein Placebo-Effekt bei Tieren zustande kommen soll. Die Wirkung kann ich dagegen manches Mal live beobachten. Insofern ist es mir ziemlich wurscht, was die Forscher da so forschen - solange es weiterhin so positive Wirkungen zeigt, werde ich es benutzen ;-)
Ich setze sie bei mir selbst, bei Freunden, die mich um Rat fragen und vor allem bei meinen Viechern ein. Wenn ich bei mir selber noch davon ausgehen kann, dass die Homöopathie eine Art Placebo-Effekt (ich würde es lieber "aktivierte Selbstheilungskräfte" nennen) freisetzt, dann konnte mir bisher noch kein Wissenschaftler erklären, wie ein Placebo-Effekt bei Tieren zustande kommen soll. Die Wirkung kann ich dagegen manches Mal live beobachten. Insofern ist es mir ziemlich wurscht, was die Forscher da so forschen - solange es weiterhin so positive Wirkungen zeigt, werde ich es benutzen ;-)
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