Duftmarken

(Bild von Melanie Evien Vetter.)
Gerüche. Es gibt wohl kaum etwas, das mich so plötzlich und unmittelbar an andere Orte und Zeiten versetzen kann. So geschehen erst kürzlich im wahrscheinlich seit Jahrzehnten olfaktorisch unveränderten Music Department zu Dartington.
Und gleich fallen mir noch ein paar weitere Gerüche ein, natürlich zuerst auch wieder einer aus England:
Holzfeuer im Herbst. Wenn man abends gegen Sonnenuntergang durch die Straßen einer englischen Kleinstadt geht, es bereits kühl geworden ist und man sich auf einen Tee und gute Gesellschaft freut. Das sind die Assoziationen, die mir kommen beim herben Aroma gefallener Blätter, das sich mit dem Rauch aus den Kaminen mischt.
Frühlingsduft. Oder besser Vorfrühlingsduft, eine leise Ankündigung. Auch meist gegen Abend zu riechen, wenn es mild geworden ist. Unbeschreiblich lieblich und verheißungsvoll. Nur: was duftet da eigentlich? Ich habe keine Ahnung.
Sommer. Ein Kindheitsnachmittag am Strand. Abends hatte die eigene Haut einen Geruch angenommen, von dem ich bis heute nicht weiß, ob ich ihn angenehm oder eigenartig finden soll, aber es war so, als ob die ganze Wärme des langen Tages darin gespeichert wäre.
Regen. Meine Großeltern lebten in einem dieser großen genossenschaftlichen Häuserblocks mit Innenhof, dort gab es eine Rasenfläche und ich liebte es, Joghurtbecher aufzustellen um den Mairegen einzufangen ("Mairegen bringt Segen", hieß es. "Wasch' dich damit und du wirst schön...") Am liebsten jedoch stellte ich mich mitten auf die Wiese und ließ mich naßregnen. Würziger Geruch nach nassem Gras, nasser Erde, nassem Asphalt. Alles gereinigt. Frische. Neuanfang.
Und nun würde mich mal interessieren, was Ihr so für Dufterinnerungen habt...
Karan - 22. Februar, 18:32
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