Stollen
Was es damit auf sich hat, erzähl' ich später, jetzt ist erst mal allerhand zu tun. Ein dicker Dankeknuddler geht jetzt schon an die liebe Zia, die meinen Rauhnächte-Blues gleich zu Anfang auf's Lieblichste gemildert hat...
So, jetzt wird's gemütlich: der Wildschweingulasch köchelt, der Rotwein fährt auf Betriebstemperatur hoch, die Heizung macht's warm und Kerzchen brennen auch. Da kann ich endlich ein bißchen erzählen:
Wenn meine Großmutter Stollen buk, dann war dies ein Unternehmen, das generalstabsmäßiger Planung bedurfte. Allerdings merkte ich davon nichts, denn die ganze Sache ging ihr dermaßen leicht von der Hand, daß es wie ein Kinderspiel schien.
Die Beschaffung der Zutaten war der erste Schritt. Vieles befand sich bereits im Haus, die Rosinen waren lange schon in Rum eingelegt. Echtes Zitronat und Orangeat zu bekommen, war allerdings irgendwann nicht immer einfach.
Mit kleinwüchsigen Backgefäßen aus Plastik gab sich meine Großmutter erst gar nicht ab; der Teig entstand in Emailleschüsseln von beeindruckendem Durchmesser. Es ging ja nicht um kleine Mengen.
Hefeteig ist ein empfindlicher Geselle, er will mit fester Hand bearbeitet werden und erfordert dennoch Einfühlungsvermögen, Zeit und Raum zum Gehen; es darf nicht zu kalt und nicht zu heiß sein. Und es braucht eine ganze Menge Kraft, um aus all den guten Dingen einen Teiglaib zu formen, der nicht klebt und niemals bröckelt, der hefig duftet, weder zu süß noch zu schwer ist. Ich durfte immer naschen und tat dies ausgiebig, bis es im Bauch blubberte und ich das Abendessen dann doch lieber ausfallen ließ.
Die wuchtigen Laiber, die schließlich im Ofen landeten, hatten Backblechlänge und waren dementsprechend breit. Kamen sie heraus, erhielten sie noch einen Überzug aus Zitronenzuckerguß.
Und dann hieß es warten. Ein guter Stollen muß reifen. Was dann zu Weihnachten bei uns und der ganzen Verwandtschaft auf dem Kuchenteller landete, war eine süß-saftige Explosion winterlicher Aromen. Dazu Kakao oder Milchkaffee. Glückseligkeit.
Nach dem Tod meiner Großmutter habe ich nicht ein einziges Mal versucht, alleine einen Stollen zu backen, obwohl ich ihr oft dabei geholfen hatte. Es war eine Epoche zu Ende gegangen und für mich bedeutete das, daß dieses Unvergleichliche einfach nicht mehr zu schmecken war. Eine Zeitlang mochte ich nicht mal mehr „fremde" Stollen essen.
Das hat sich allerdings mittlerweile geändert. Ich freue mich an den Sorten, die ich bisher noch nicht kannte, an Marzipanfüllungen und Puderzucker. Die Erinnerung bleibt ungeschmälert. Und das, was ich esse, schmeckt...

Als ich gestern abgehetzt nach Hause kam, eine Liste dringlicher letzter Erledigungen im Kopf, stolperte ich über ein Päckchen von Zia, dessen Inhalt mein Streßlevel umgehend reduzierte. Das Räuchermännchen darf mal wieder kräftig inhalieren, ein geheimnisvolles Öl lädt zu sinnlichen Abenteuern ein, und der Stollen.... oh wie freue ich mich schon auf die nachmittägliche Kaffeeschlemmerei!
So, jetzt wird's gemütlich: der Wildschweingulasch köchelt, der Rotwein fährt auf Betriebstemperatur hoch, die Heizung macht's warm und Kerzchen brennen auch. Da kann ich endlich ein bißchen erzählen:
Wenn meine Großmutter Stollen buk, dann war dies ein Unternehmen, das generalstabsmäßiger Planung bedurfte. Allerdings merkte ich davon nichts, denn die ganze Sache ging ihr dermaßen leicht von der Hand, daß es wie ein Kinderspiel schien.
Die Beschaffung der Zutaten war der erste Schritt. Vieles befand sich bereits im Haus, die Rosinen waren lange schon in Rum eingelegt. Echtes Zitronat und Orangeat zu bekommen, war allerdings irgendwann nicht immer einfach.
Mit kleinwüchsigen Backgefäßen aus Plastik gab sich meine Großmutter erst gar nicht ab; der Teig entstand in Emailleschüsseln von beeindruckendem Durchmesser. Es ging ja nicht um kleine Mengen.
Hefeteig ist ein empfindlicher Geselle, er will mit fester Hand bearbeitet werden und erfordert dennoch Einfühlungsvermögen, Zeit und Raum zum Gehen; es darf nicht zu kalt und nicht zu heiß sein. Und es braucht eine ganze Menge Kraft, um aus all den guten Dingen einen Teiglaib zu formen, der nicht klebt und niemals bröckelt, der hefig duftet, weder zu süß noch zu schwer ist. Ich durfte immer naschen und tat dies ausgiebig, bis es im Bauch blubberte und ich das Abendessen dann doch lieber ausfallen ließ.
Die wuchtigen Laiber, die schließlich im Ofen landeten, hatten Backblechlänge und waren dementsprechend breit. Kamen sie heraus, erhielten sie noch einen Überzug aus Zitronenzuckerguß.
Und dann hieß es warten. Ein guter Stollen muß reifen. Was dann zu Weihnachten bei uns und der ganzen Verwandtschaft auf dem Kuchenteller landete, war eine süß-saftige Explosion winterlicher Aromen. Dazu Kakao oder Milchkaffee. Glückseligkeit.
Nach dem Tod meiner Großmutter habe ich nicht ein einziges Mal versucht, alleine einen Stollen zu backen, obwohl ich ihr oft dabei geholfen hatte. Es war eine Epoche zu Ende gegangen und für mich bedeutete das, daß dieses Unvergleichliche einfach nicht mehr zu schmecken war. Eine Zeitlang mochte ich nicht mal mehr „fremde" Stollen essen.
Das hat sich allerdings mittlerweile geändert. Ich freue mich an den Sorten, die ich bisher noch nicht kannte, an Marzipanfüllungen und Puderzucker. Die Erinnerung bleibt ungeschmälert. Und das, was ich esse, schmeckt...

Als ich gestern abgehetzt nach Hause kam, eine Liste dringlicher letzter Erledigungen im Kopf, stolperte ich über ein Päckchen von Zia, dessen Inhalt mein Streßlevel umgehend reduzierte. Das Räuchermännchen darf mal wieder kräftig inhalieren, ein geheimnisvolles Öl lädt zu sinnlichen Abenteuern ein, und der Stollen.... oh wie freue ich mich schon auf die nachmittägliche Kaffeeschlemmerei!
Karan - 24. Dezember, 14:30
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